Unser Bergwerk wird von verschiedenen Fledermausarten als Quartier benutzt. Dazu ist im Bergglöckchen 02/2011 folgender Artikel von unserem Vereinsmitglied Siegmar Bräuer erschienen:

Fledermäuse nutzen ein Besucherbergwerk als Winterquartier


Siegmar Bräuer

Zu unserem Vereinsnachmittag am 28. Februar 2009 wurde während der Führung durch den Andreas Gegentrum-Stolln, auf die noch im Stollen verbliebenen Fledermäuse hingewiesen. Normalerweise haben die Tiere um diese Zeit schon ihr Winterquartier verlassen.
Auf Anregung des Vorstandes unserer Berg-, Knapp- und Brüderschaft möchte ich noch ein paar Bemerkungen zu den im Stollen vorkommenden Fledermausarten und deren Lebensweise machen.
In den letzten Jahren 25 Jahren hatten wir von Ende November bis Anfang März immer vier Arten in unterschiedlicher Individuenzahl zu Besuch.
Beim genaueren Betrachten der Tiere wird dem Einen oder Anderen ein kleiner farbiger Ring am rechten oder linken Flügel aufgefallen sein. Dies dient den Fledermausforschern in aller Welt zum Nachvollziehen verschiedener Parameter - wo - und wann beringt.
Jede Art hat ihre eigene Farbe - also wird für Europa unsere Farbpalette für die 40 Arten wohl gerade noch reichen. Für den Landkreis Erzgebirge sind zwölf Arten nachgewiesen. Einmal im Jahr (um die Weihnachtszeit ), nehme ich die den Stollen besuchenden Fledermäuse in einen Berichtsbogen auf. Insgesamt überwintern etwa 50 Tiere nachfolgender Arten im Stollen: Braunes Langohr, Wasserfledermaus, Nordfledermaus und Großes Mausohr.
Das in Europa bisher größte bekannte Winterquartier mit zwölf gemeinsam überwinternden Arten befindet sich im 50 Meter unter der Erde liegendem Bunkersystem des in Polen befindlichen Ostwalls aus dem 2. Weltkrieg mit jährlich bis zu 30.000 Exemplaren.
Im Vergleich dazu die Bracken- Höhle bei Austin im US-Bundesstaat Texas mit 20 Millionen Tieren der Guano-Fledermaus. Diese Tiere fressen in einer Nacht 900.000 Kilogramm = 900 Tonnen Insekten! Geradezu winzig ist die Nahrungsaufnahme unserer Zwergfledermaus mit 10.000 Eintagsfliegen, das entspricht fünf Gramm pro Nacht!
Die Fledermäuse legen für den Winterschlaf spezielle Fettvorräte an, damit sie während des Aufwachens die nötigen Energiereserven haben, um einen neuen Hängeplatz (wetter- und temperaturabhängig) zu suchen oder das Winterquartier zu verlassen. Der Stoffwechsel wird drastisch verlangsamt und die Herzschlagrate auf ein Prozent des Wachzustandes heruntergefahren. Manchmal atmen sie nur einmal in der Stunde. Die Körpertemperatur sinkt aber niemals tiefer, als die Temperatur, bei der das Herz nicht mehr in der Lage ist, das Blut zu transportieren.
Entwicklungsgeschichtlich sind Fledermäuse durch Fossilienfunde sehr spärlich nachgewiesen. Weltweit verbreiteten sich die Fledermäuse im Eozän - vor 45 Millionen Jahren. Bis auf die Antarktis kommen die Fledermäuse auf allen Kontinenten vor. Weltweit gibt es etwa 900 Arten. Davon kommen in Europa 40 Arten vor. Im Freistaat Sachsen sind bisher 35 Arten nachgewiesen. Die größte Fledermaus lebt in Australien und hat eine Kopfrumpflänge von 14 cm, 60cm Flügelspannweite und ein Gewicht von etwa 200 Gramm. Im Gegensatz dazu ist die Schweinsnasenfledermaus mit einer Kopfrumpflänge von drei cm und einem Gewicht von zwei Gramm neben der Etruskerspitzmaus das kleinste zur Zeit lebende Säugetier. Fledermäuse können „sehr alt“ werden. Manche Arten bringen es bis auf ein Alter von bis zu 30 Jahren. Zurückzuführen ist das auf die Fortpflanzungsrate der Fledermäuse.
Die Weibchen der meisten Arten bringen jährlich nur ein Junges zur Welt. Beachtenswert ist die verzögerte Befruchtung. Das Sperma kann im Fortpflanzungstrakt der Weibchen solange aufbewahrt werden, bis günstigeres Wetter einsetzt, die Befruchtung erfolgt und der Fötus in der Gebärmutter beginnt zu wachsen.
Alle Fledermäuse besitzen ein Fell. Dieses ist dicht behaart, oft seidig und farblich von der Körperober- und -unterseite deutlich zu unterscheiden. Einen Mantel aus grauer Fledermauswolle hatte der Inka-Herrscher Atahualpa. Die meisten Fledermausarten zeichnen sich durch Standorttreue aus.
Durch die Orientierung mittels Echoortung - das Sinnessystem für den Nahbereich, werden Umweltinformationen unter fünf und höchstens 20 Meter geliefert. Fledermausrufe liegen im Ultraschallbereich (ca. 20 kHz) und damit oberhalb des menschlichen Hörbereiches. Eine Fledermaus stößt 5 bis 20 Ortungsrufe pro Sekunde aus. Unsere heimischen Fledermäuse fliegen mit bis zu 50 km/ h durch den nächtlichen Himmel, so dass sie auf plötzlich auftauchende Hindernisse sehr schnell reagieren müssen.
In der Volksmedizin wurden vor allen im Mittelalter viele Rezepte verwendet, in denen Fledermausteile zu Heilung verschiedenster Krankheiten und Beschwerden angeboten wurden.
Im Normalfall besitzen die Fledermäuse ein Gebiss mit 32 bis 38 Zähnen. Der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus E. GEOFFROY 1810) hat nur 20 Zähne, und verwendet zum „Blutlecken“ nur die unteren Zähne - im Film immer falsch aber wirkungsvoll dargestellt.
Für die Fledermäuse kommen als natürliche Feinde, hauptsächlich nachtaktive Raubtiere (Katzen, Greifvögel, Eulen) in Betracht. Außerhalb der Winterruhezeit haben es die hoch spezialisierten Insektenjäger schwer einen Ruheplatz für den Tag zu finden. Durch die Isolierung - Sanierung der Außenfassaden an Gebäuden werden die Versteckmöglichkeiten der nächtlichen Jäger vernichtet.
Durch die gesetzlich vorgeschriebene Wegesicherungspflicht an Wanderwegen werden viele Sommer- und Winterquartiere in Form von Totholzbäumen an den Flugschneisen, oftmals durch Unkenntnis oder auch leider Ignoranz, vernichtet. Eine weitere Beeinträchtigung ist die Trockenlegung von Feuchtflächen. Die Zerstörung dieser Lebensräume hat auch für Amphibien Konsequenzen.
Deshalb mein Aufruf an alle Betreiber von bergbaulichen Anlagen und Besucherbergwerken:
Achtet auf den Schutz der Fledermäuse!